Berner Münster
Berner Münster: gotische Baukunst im Herzen der Altstadt
Das Berner Münster prägt mit seinem hohen Turm die Silhouette der Berner Altstadt. Der Bau verbindet mehrere Jahrhunderte Architektur- und Stadtgeschichte: Am 11. März 1421 wurde der Grundstein für die neue Pfarrkirche St. Vinzenz gelegt. Die Stadt Bern liess damit ihre ältere, baufällige Kirche durch einen repräsentativen gotischen Bau ersetzen. Steinmetze, Baumeister und Künstler arbeiteten über Generationen daran. Der Rundgang lohnt sich besonders, wenn Sie zunächst die Wirkung des Münsters von aussen betrachten und danach Portal, Kirchenraum und Aussicht miteinander verbinden möchten.
Das Berner Münster bei Nacht
Foto: MySwitzerland.com
Ein Bauwerk aus mehreren Jahrhunderten
Die Baugeschichte verlief in Etappen. Zuerst entstanden Chor, Kapellen und Teile der Seitenschiffe; später kamen Langhaus, Gewölbe und Westfassade hinzu. Die Reformation unterbrach die Arbeiten, bevor der Bau im späteren 16. Jahrhundert weitergeführt wurde. Der Turm erhielt seine heutige Gestalt erst viel später: Sein oberer Abschnitt wurde zwischen 1889 und 1893 im neugotischen Stil vollendet. So lässt sich am Münster ablesen, wie sich spätgotische Bauformen über lange Zeit entwickelten und mit späteren Ergänzungen verbunden wurden.
Mit rund 100,6 Metern Höhe ist der Münsterturm der höchste Kirchturm der Schweiz. Sein unterer Teil stammt aus der spätmittelalterlichen Bauzeit; die obere Galerie und der schlanke Abschluss gehören zur neugotischen Vollendung des 19. Jahrhunderts. Früher diente der Turm auch als Feuerwacht. Heute führt der Aufstieg zu Aussichtsplattformen und eröffnet einen Blick über die Dächer der Altstadt, die Aare und – bei klarer Sicht – bis zu den Gipfeln von Eiger, Mönch und Jungfrau sowie zu den Juraketten.
Hauptportal und Glasmalereien
Am Westportal erzählt ein umfangreiches Figurenprogramm vom Jüngsten Gericht. Der Münsterbaumeister Erhart Küng und seine Werkstatt schufen im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts insgesamt 294 Figuren, teils vollplastisch, teils als Relief. Die Anordnung führt den Blick von den Figuren der Klugen und Törichten Jungfrauen über Propheten und Engel bis zur zentralen Gerichtsszene. Viele frei stehende Figuren am Portal sind heute Kopien; die Originale befinden sich im Bernischen Historischen Museum. Wer sich vor dem Eintritt einen Moment Zeit nimmt, entdeckt zahlreiche Einzelheiten in den Bögen und rund um die Türen.
Im Chor bilden die spätgotischen Glasmalereien einen weiteren Höhepunkt. Die grossen Fenster entstanden hauptsächlich zwischen 1441 und 1451 und wurden von Berner Familien gestiftet. Ihre farbigen Szenen verbinden religiöse Motive mit der Geschichte der Stadt und ihrer Auftraggeber. Das Zusammenspiel aus Chorfenstern, Gewölbe und steinernen Architekturdetails lässt sich am besten in Ruhe betrachten. Auch ein kurzer Aufenthalt im Kirchenraum ergänzt den Blick auf die reich gestaltete Aussenseite um eine andere, ruhigere Perspektive.
Turmbesteigung und Aussicht einplanen
Der Aufstieg ist ein eigenständiger Programmpunkt und verlangt Trittsicherheit und Ausdauer: Zur Viereckgalerie auf 46 Metern führen 254 Stufen, die Achteckgalerie auf 64 Metern erreicht man über insgesamt 344 Stufen. Ein Lift steht für den Turmaufstieg nicht zur Verfügung. Unterwegs liegen die Treppenläufe, Steinmetzdetails und Glockenstuben; oben weitet sich der Blick über die Berner Altstadt und die Landschaft des Mittellands bis zum Alpenpanorama. Der Besuch des Kirchenraums und der Umgebung bietet eine schöne Alternative, wenn der Turmaufstieg nicht zum Tagesplan gehört.
Die offizielle Besucherinformation zur Turmbesteigung die für den Besuch geltenden Angaben zu Zugang und Betriebszeiten. So lässt sich der Aussichtspunkt passend in den Stadttag einordnen.
Münsterplatz, Plattform und Altstadt verbinden
Das Münster liegt im historischen Zentrum Berns und lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Altstadt verbinden. Unmittelbar neben der Kirche liegt die Münsterplattform. Ihre Terrassenanlage geht auf einen mittelalterlichen Kirchhof zurück; die Stützmauern wurden über mehrere Bauphasen errichtet. Heute bietet die erhöhte Anlage einen freien Blick zur Aare und auf die Dächer des Mattequartiers. Zusammen mit den Lauben, Gassen und Brunnen der Altstadt entsteht ein abwechslungsreicher Rundgang zu Fuss. Die Altstadt von Bern gehört seit 1983 zum UNESCO-Welterbe.
Für einen Besuch lässt sich das Münster mit nahe gelegenen Zielen kombinieren: Der Zytglogge, das Bundeshaus, die Arkaden und der BärenPark ergänzen den Stadtrundgang jeweils um einen eigenen Blick auf Bern. Der Überblick zu Bern hilft, weitere Stationen in der Stadt zusammenzustellen.
Weitere Sehenswürdigkeiten in der Schweiz
Wer den Besuch in Bern mit anderen Orten und Landschaften verbinden möchte, findet weitere lohnende Ziele: den Rheinfall, das Matterhorn und den Aletschgletscher als eindrucksvolle Naturmotive; das Basler Münster, das Zürcher Grossmünster und die Kathedrale St. Nikolaus in Fribourg für weitere Einblicke in Sakralarchitektur. Auch die Kapellbrücke in Luzern, das Schloss Chillon, die Rigi und der UN-Palast in Genf zeigen die Vielfalt zwischen Stadt, Baukunst und Landschaft.