Signau: Ortsbild, Geschichte und Wanderwege im Emmental
Baukultur im Dorfkern
Der Dorfkern von Signau wurde 1976 in das Schweizer Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung aufgenommen. Zur Baugruppe Bauernhäuser Lichtgut gehören zwei stattliche Bauernhäuser und ein Speicher aus dem Jahr 1745. Der Gasthof zum Roten Thurm ist ein spätbarocker Putzbau über einem älteren Kern und wurde 1769 erbaut. Seit dem 16. Jahrhundert wurde er als Wirtshaus erwähnt; früher war er unter dem Namen „zum höchen Huus“ bekannt.
Das Moser-Haus entstand zwischen 1756 und 1760 als stattlicher Ständerbau unter einem geknickten Viertelwalmdach. Seine offene Bühne diente ursprünglich als Tröckneraum für Textilien; Bauern brachten dort ihr selbstgewobenes Tuch zum Färben. Das Beck-Haus wurde um 1788 als repräsentativer Ständerbau mit Segmentbogen-Ründi erbaut. Zeitweise diente es als „Salzbütti“, also als Salzladen zur Zeit des Salzmonopols, und wurde 1977 drei Meter von der Strasse zurückversetzt.
Die Kirche im Kirchenbezirk von Signau hat romanische Ursprünge aus dem 13. oder 14. Jahrhundert, erhielt später eine leichte gotische Überhöhung und wurde 1850 umfassend renoviert. Zum Kirchenbezirk gehören ausserdem das Pfarrhaus von 1742, das Pfarrstöckli von 1792 und eine Holzbrücke, die Pfarrhaus und Kirche miteinander verbindet. Der Bourbaki-Gedenkstein erinnert an vier Soldaten, die nach ihrer Internierung in der Kirche von Signau starben. Das Denkmal für Christian Wiedmer erinnert an den Urheber des bekannten Emmentaler-Lieds „Niene geit's so schön u lustig...“.
Historische Spuren und Brücken
Die erste Brücke an der Stelle der Schüpbachbrücke wurde 1550 erbaut und war die erste befahrbare Brücke im Emmental. Die heute sichtbaren Reste des Altschlosses sind die Ruine einer Burg, deren Standort um die Mitte des 14. Jahrhunderts zugunsten des Neuschlosses verlassen wurde. Eine historische Rundwanderung führt von Signau zu den Ruinen des Schlosses Alt-Signau und zurück; unterwegs passiert sie die Kirche von Signau, alte Kirchenglocken und einen historischen Hohlweg.
Die Schüpbachbrücke wurde 1839 als pfeilerlose Bogenkonstruktion wiedererrichtet und gehörte bis zum Bau der Umfahrungsstrasse 1980 zur Kantonsstrasse von Bern nach Langnau. Die Aeschau-Brücke verbindet die zur Gemeinde Eggiwil gehörende Ortschaft Aeschau über die Emme mit dem linksufrigen Bauerngut Ramsei auf Signauer Boden. Nach dem Abriss der drei Jahre jüngeren Obermattbrücke in Emmenmatt im Jahr 2007 gilt sie als einzige klassische Fachwerkbrücke im Emmental.
Seit 2018 steht das Denkmal für Bundesrat Carl Schenk an der Bahnhofstrasse gegenüber dem Bahnhof Signau. Bei der Einrichtung des Begegnungsplatzes wurde der Gedenkstein dorthin versetzt. Mit der S2 erreicht man Bern von Signau aus in gut einer halben Stunde; nach Langnau dauert die Fahrt etwa acht Minuten.
Landschaft zwischen Hügeln und Wegen
Das nebelfreie Gebiet von Signau erstreckt sich vom Eygrund auf 647 Metern über Meer bis zur Blasenflue auf 1115 Metern über Meer. Die Landschaft des Emmentals rund um Signau besteht aus Waldstücken, offenen Weideflächen, verstreuten Höfen und Weilern und ist von zahlreichen offiziell ausgeschilderten Wanderwegen durchzogen. In den Hügeln des Emmentals rund um Signau kann man spazieren, wandern und Rad fahren.
Von Signau aus sind die Aussichtspunkte des Oberemmentals zu Fuss über ein dichtes Netz gut markierter Wanderwege erreichbar. Ruhige, verkehrsarme Strässchen und Fahrwege laden rund um Signau zu Fahrradausflügen ein. Der Holzbrücken-Weg im oberen Emmental umfasst rund 23 Kilometer und 18 Holzbrücken und kann zu Fuss oder mit dem Fahrrad erkundet werden. Die unterschiedlichen Streckenlängen und Fortbewegungsarten lassen sich dabei unmittelbar miteinander vergleichen.
Die Rundwanderung Waldhäusern beginnt und endet in Signau und führt über Ofeneggalp, Waldhäusern und den Niedermattgraben. Sie verläuft überwiegend durch Wald und über Wiesen und erreicht den Aussichtspunkt Waldhäusern. Eine weitere Wanderroute von Signau nach Eggiwil führt über Schüpbach, Howacht und Blapbach. Eine Rundwanderung von Signau führt hinauf zur Blasenfluh und über Waldhäusern und den Niedermattgarben zum Ausgangspunkt zurück.
Eine regionale Veloverbindung ist die Herzroute, die als Veloroute 99 von Lausanne nach Rorschach führt. Sie umfasst dreizehn Tagesetappen; zusätzlich werden FLYER-E-Bikes als Begleitmöglichkeit angeboten.
Begegnungen, Wasser und regionale Angebote
Bei Cowpassion ist der Kontakt zu den Tieren freiwillig. Wenn kein Tier auf die Besucher zukommt, kann sich der Besuch auf das Beobachten beschränken. Cowpassion bietet in Signau Veranstaltungen an, bei denen Besucher Kühen und Ochsen nahekommen und mehr über das Herdenleben und die Kommunikation der Tiere erfahren können. Im Sommer gehört das Baden in der Emme zu den Aktivitäten für Familien.
Die Emmental-Mühle in Schüpbach bietet Backkurse und Degustationen an und führt für ihre Kundschaft Betriebsbesichtigungen durch. Der Burehof Neuenschwander veranstaltet auf einem produzierenden Landwirtschaftsbetrieb unter anderem einen Brunch oder einen Grillplausch mit hofeigenen Produkten. Die beiden Dörfer Signau und Schüpbach verfügen zusammen über vier stattliche Gasthöfe zum Einkehren und Verweilen.
Der traditionelle Signau-Märit findet 2026 als Signauer Frühlingsmärit am 29. Mai und als Signauer Herbstmärit am 23. Oktober statt. Der ehemalige Bezirk Signau lag im Kanton Bern und gehört zum Emmental; Signau war sein Sitz.
Für die weitere Einordnung auf dieser Ortsebene finden Sie auch Schangnau, Oberfrittenbach, Langnau Im Emmental, Signau, Gohl, Zollbrück, Lauperswil, Eggiwil, Röthenbach Im Emmental, Trubschachen und Rüderswil.
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