Brusio: Kultur und Berninabahn im Val Poschiavo
Brusio wird mit dem bekannten Kreisviadukt in Verbindung gebracht. Das Bauwerk zählt zu den bedeutendsten Attraktionen der Berninabahn, die zum UNESCO-Welterbe gehört und ihrerseits Teil der Rhätischen Bahn ist. Zugleich liegt Brusio als Gemeinde im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden in der Region Bernina und im Val Poschiavo. Im gleichen Destinationsumfeld finden Sie außerdem Le Prese und Poschiavo.
Kultur
Das Kulturzentrum von Brusio ist die Casa Besta, in der sich auch das örtliche Museum befindet. Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude von einem Bauernhaus in einen herrschaftlichen Wohnsitz zweier adliger Familien aus dem Veltlin umgewandelt. Die 2026 fertiggestellte neue museale Gestaltung bewahrt eine Ausstellung antiker Musikinstrumente sowie Bereiche zu Landwirtschaft und Handwerk. Zugleich stellt sie die Besonderheiten des Grenzgebiets und den Austausch von Waren und Ideen heraus.
Zur Industriegeschichte gehört die Tabakfabrik Misani. Sie wurde etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet und ist als eines der wenigen noch im Originalzustand erhaltenen Beispiele der damaligen verarbeitenden Industrie denkmalgeschützt. 2018 wurde sie in die kantonale Liste schützenswerter Gebäude aufgenommen. Im Museo del Tabacco Brusio funktionieren originale Maschinen aus dem 19. Jahrhundert noch heute; dort wird die Geschichte der Tabakproduktion akustisch, räumlich und atmosphärisch unmittelbar erfahrbar. Das Museum macht außerdem den gesamten Produktionsprozess von der Pflanze bis zum Produkt sichtbar und stellt die Geschichte des Valposchiavo in einen globalen Zusammenhang.
Auch die sakralen Gebäude erzählen von unterschiedlichen Epochen. Die reformierte Kirche von Brusio wurde zwischen 1646 und 1661 erbaut. 1786 wurde dort eine Orgel installiert, die von der Firma Serassi aus Bergamo gebaut worden war. Die alte Kirche von San Romerio stammt nach dendrochronologischen Befunden aus dem Jahr 1055. Historisch diente die kleine Kirche Wanderern und Hirten, die im Sommer auf dem Saumpfad entlang des Berninapasses saisonale Wanderweidewirtschaft betrieben.
Zur lokalen Prägung gehört außerdem der lombardische Ortsdialekt. Überliefert sind auch die historischen Formen „Brüs“ im Deutschen und „Brüsch“ im Rätoromanischen. Das Gebiet von Cavaione wurde 1865 durch ein Abkommen zwischen Italien und der Schweiz endgültig schweizerisches Staatsgebiet. 1875 erhielten dort 108 Einwohner aus 14 Familien das Bürgerrecht von Brusio und damit das Schweizer Bürgerrecht.
Landschaft
Oberhalb von Brusio überwindet die Berninabahn mit einem offenen Kreisviadukt und einem doppelten Durchlauf von 100 Metern Durchmesser einen beträchtlichen Höhenunterschied. San Romerio ist eine auf 1.800 Metern über dem Lago di Poschiavo gelegene Alp mit Blick über das Val Poschiavo bis nach Tirano. Im oberen Val Saiento liegt die Alpe Pescia als hoch gelegene Sommerweide zwischen 1.800 und 2.000 Metern. Die Capanna Anzana befindet sich auf 2.050 Metern an der Schweizerisch-italienischen Grenze zwischen Valposchiavo und Veltlin.
Die verschiedenen Höhenlagen, Landschaftsräume und Wegarten lassen sich bei der Reiseplanung getrennt betrachten und miteinander vergleichen. Von einem Parkplatz aus erreicht man die Capanna Anzana nach einem etwa 45-minütigen, bequemen Aufstieg zu Fuß. San Romerio ist von Brusio aus in etwa 20 Minuten ab der PostAuto-Haltestelle Viano-Piaz erreichbar.
Genuss und Wege
Auf der Alpe Pescia werden Alpkäse und nicht pasteurisierte Butter hergestellt. Die Alpe ist außerdem ein Ziel für Wanderbegeisterte. Zur Kastanientradition von Brusio gehören „brasché“, die auf offenem Feuer in einer gelochten Pfanne geröstet werden, sowie „farüdi“, die im Topf gekocht werden.
Die Sagra della castagna findet jedes Jahr Mitte Oktober in Campascio und Brusio statt und bietet kulturelle sowie gastronomische Angebote. Ebenfalls jährlich wird PaneNeve veranstaltet, eine kulinarische Wanderung durch die Contrade di sopra zwischen La Presa, Cotongio, Garbella und Selvaplana. Entlang des Weges gibt es etwa zehn Stationen mit lokalen Spezialitäten.
Das Erholungsgebiet Garbela ist ein Knotenpunkt für den Weg nach Miralago und für den Weg PaneNeve, der das Gebiet Li Cui verbindet. Die sechste Etappe der ViaValtellina führt von Poschiavo über einen historischen Saumpfad hinauf nach San Romerio, einem hoch über Brusio gelegenen alpinen Weiler.
Anreise und Wegverhältnisse
Der Bahnhof Brusio ist mit dem Zug oder mit dem PostAuto erreichbar. Vom Bahnhof führt ein sehr leichter Weg zum Kreisviadukt. Die Hauptstraße 29 verläuft durch Brusio, Campascio und Campocologno vom Berninapass ins Veltlin. Schmale, kurvenreiche Straßen erschließen die höher gelegenen Dörfer Viano und Cavaione.
Die San-Romerio-Hütte bietet von Mitte Mai bis Ende Oktober regionale Spezialitäten und Übernachtungsmöglichkeiten an. Die Gemeinde Brusio führt den Saumweg Piaz–San Romerio bis auf Weiteres als geschlossen.
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