Pfaffnau – Klosterkultur, Kapellenweg und Wässermatten

Facciata della chiesa dell'Abbazia di Sant'Urbano a Pfaffnau Facciata della chiesa dell'Abbazia di Sant'Urbano a Pfaffnau Foto: André Corboz via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Pfaffnau zeigt mit dem Kloster St. Urban ein Ensemble, dessen barocke Kirche hohe Zwillingstürme und mächtige Konventflügel umfasst. Kirche und Konventbauten gehören in der Schweiz zu den herausragendsten Zeugnissen zisterziensischer Baukunst und Kultur. Die barocke Orgel besitzt 2.500 Pfeifen und einen monumentalen Orgelprospekt.

Kultur

Die klassizistische Pfarrkirche St. Vinzenz steht auf einer Anhöhe über dem Dorf und wurde vorwiegend von 1809 bis 1812 unter der Bauherrschaft des Klosters St. Urban errichtet. Im Mittelschiff stammen die Deckengemälde vom Willisauer Maler Xaver Hecht. Zum Ortskern gehören neben der Pfarrkirche auch der Pfarrhof, das Zehntenhaus und die Antoniuskapelle; gemeinsam bilden sie den dominanten Ortskern von Pfaffnau. Die St. Antoniuskapelle neben dem früheren Kirchenstandort von Pfaffnau wurde 1687 erbaut. Das Pfarrhaus von Pfaffnau ist ein Rokokopalais, das 1764 bis 1765 als Sommerresidenz von St. Urban errichtet wurde. Über dem Burghof zeugen die Burgstelle und die Flurnamen von der Geschichte Pfaffnaus.

Eine kunsthistorische Führung im Kloster St. Urban dauert etwa 90 Minuten und stellt die Klosterkirche, die Bibliothek, den Festsaal und das Barock-Treppenhaus vor. Im Kloster werden Konzerte und Lesungen veranstaltet, während zeitgenössische Kunst und Architektur gezeigt sowie kunsthistorische Führungen angeboten werden. Heute wird das Klosterareal außerdem für Kultur- und Eventveranstaltungen sowie für den Kunstbereich genutzt. Das private Kunst- und Kulturzentrum art-st-urban umfasst das Museum moca-st-urban, den skulpturenpark-art-st-urban mit der Orangerie im Park sowie ein Artist-in-Residence-Förderprogramm. Der skulpturenpark-art-st-urban bietet ganzjährig permanente Ausstellungen und Sonderausstellungen bei freiem Eintritt.

Das Klosterareal St. Urban ist von einer Parkanlage umgeben und nach außen durch eine hohe Mauer abgegrenzt. Die Bahn-Haltestelle St. Urban liegt etwa drei Gehminuten vom art-st-urban entfernt. So stehen innerhalb des Kulturangebots sowohl die historischen Räume des Klosters als auch zeitgenössische Kunst und Veranstaltungen nebeneinander.

Landschaft

Die Rottaler Wässermatten sind eine selten gewordene Kulturlandschaft von nationaler Bedeutung und bieten vielen selten gewordenen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum. Ein 1,5 Kilometer langer Abschnitt des Grenzpfads Napfbergland verläuft zwischen St. Urban, Altbüron und Melchnau durch diese Wässermatten. Der Grenzpfad ist mit den offiziellen Wanderwegweisern von Wanderland Schweiz als Route Nummer 65 ausgeschildert.

Der am Waldrand gelegene Grüenbodeweiher ist von einer artenreichen Flora umgeben; Steinbänke laden dort zum Verweilen ein. Am Grüenbodeweiher wurden Erdkröte, Grasfrosch, Bergmolch und Gelbbauchunke beobachtet. Der Äschweiher ist von einem Kiesparkplatz aus über einen ausgemähten Pfad entlang des Wässergrabens erreichbar. Artenreiche Feuchtwiesen und eine aufgewertete, extensiv genutzte Wässermatte umgeben den Weiher; mit etwas Glück lassen sich Eisvögel beobachten, während Biberspuren und mehrere Amphibienarten dort belegt sind.

Zwischen Roggliswil und Pfaffnau lassen sich auf einer etwa zweistündigen Wanderung drei Karpfenteiche und ein Naturschutzweiher erkunden. Die Rundwanderung Burgwald beginnt und endet in Pfaffnau und führt nach Eberdingen, wo sich eine prächtige Aussicht über das Mittelland bis in die Berge öffnet. Die unterschiedlichen Weglängen, Landschaftsräume und Aussichtspunkte machen die Routen direkt miteinander vergleichbar.

Unterwegs

Der Kapellenweg im Pfaffnerntal ist ein etwa 9,09 Kilometer langer Rund-Themenweg mit Start und Ziel in Pfaffnau. Der Kapellenweg im Pfaffnerntal gilt als familienfreundlich. Er beginnt am Dorfplatz von Pfaffnau oder bei der Bushaltestelle «Dorf» in Roggliswil. Der gut ausgeschilderte Rundweg weist keine merklichen Höhendifferenzen auf und führt an vielen sakralen Kostbarkeiten vorbei. Eine Broschüre mit Kartenausschnitt und Beschreibungen der sakralen Bauten liegt in der Pfarrkirche St. Vinzenz auf.

Wenn Sie den Kapellenweg mit dem Auto ansteuern, führt die Strecke über die A2-Ausfahrt Reiden und anschließend über die ausgeschilderte Wegführung. Mit dem Bus ist der Weg von den Bahnhöfen Reiden oder Zell aus erreichbar. Die Verbindung von Rundweg, sakralen Bauten, Startmöglichkeiten und öffentlicher Anreise gibt dem Weg eine klar erkennbare Struktur.

Ergänzend finden Sie die Ortsseiten zu Menzberg, Ufhusen, Gettnau, Luthern, Dagmersellen, Wauwil, Menznau und Willisau.

Feste und Produkte

Der Kirchweihtag von St. Urban wird seit 1778 stets am zweiten Oktoberwochenende gefeiert und hat sich zu einem Volksfest entwickelt. Die Klosterkilbi St. Urban-Roggwil erstreckt sich vom luzernischen St. Urban in der Gemeinde Pfaffnau bis nach Roggwil im Bernbiet. Auf dem Sonntagsmarkt dieser Klosterkilbi bieten etwa 200 Marktfahrer ihre Waren an; anschließend strömen Tausende Besucherinnen und Besucher durch den Markt.

Das Rottaler Erntefest präsentiert seit 2005 einmal jährlich Spezialitäten aus dem Einzugsgebiet der Rot einem breiten Publikum. Für den 3. Oktober 2026 ist das Fest in St. Urban angesetzt. Der Sonnhaldenhof bietet einen Hofladen mit frischen Produkten sowie Kaffee und Glace an.

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