Reiat: Steinzeitspuren, Hügelland und Wein

Gemeinden des Bezirk Reiat 2010 Gemeinden des Bezirk Reiat 2010 Foto: Tschubby via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Der Reiat liegt in der Schweiz im Kanton Schaffhausen. Der Bezirk umfasst 39,33 km² und reicht von 391 bis 705 Metern über Meer. Seine Landschaft bildet eine nordöstlich der Stadt Schaffhausen gelegene Hochebene mit anschließendem, zur Biber hin ausgerichtetem Hügelland. Durch den weiteren Reiat fließen die Biber und die Fulach. Als eine von fünf Regionen gehört der Reiat zum Regionalen Naturpark Schaffhausen.

Landschaft und Natur

Der Morgetshofsee ist ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung und ein Toteissee aus der Würmeiszeit. Zugleich ist er ein Amphibienlaichgebiet mit acht nachgewiesenen Arten und Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tiere und Pflanzen. Die Schliffenhalde verbindet Feuchtgebiete, Hecken, Trockenstandorte und Naturwiesen; dort kommen seltene Tier- und Pflanzenarten vor.

Bei Dörflingen führt ein Spaziergang zum Seeli, einem Weiher aus der Eiszeit. Dörflingen verfügt außerdem über Wanderwege mit Weitsicht bis zu den Alpen. Eine Busverbindung verbindet den Ort mit Schaffhausen.

Wandern und Velofahren

Der Reiatweg ist eine leichte, 19 Kilometer lange Rundwanderung durch die regionaltypische Hügellandschaft mit Wiesen, Feldern, Reben und Mischwald. Als Ausgangspunkt für den Reiatweg wird die Haltestelle Hüttenleben in Thayngen empfohlen. Unterwegs bietet der Weg Ausblicke auf die deutsche Hegaulandschaft mit ihren erloschenen Vulkanen sowie auf die Alpenkette auf der Schweizer Seite.

Die Reiat-Route ist eine 30 Kilometer lange Veloroute mit 500 Höhenmetern und mittleren konditionellen Anforderungen. Sie führt durch typische Schweizer Dörfer mit historischen Dorfkernen und gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Die unterschiedlichen Angaben zu Länge, Dauer und Höhenmetern helfen Ihnen, Wander- und Velorouten nach dem gewünschten Bewegungsumfang zu vergleichen.

Ab dem Schulhaus Dörflingen ist der Keltenweg ausgeschildert. Der Abschnitt Schmugglergraben des ehemaligen Grenzpfads zwischen Hofen und der Sottenegg oberhalb von Altdorf ist heute in das Wanderwegnetz integriert.

Der Steinzeitpfad beginnt an der Fundstelle Kesslerloch westlich des Bahnhofs Thayngen. Eine kurze Runde ist 8,4 Kilometer lang und dauert etwa 2 Stunden und 7 Minuten. Eine Route des Steinzeitpfads führt an fünf archäologischen Fundstellen und zwei geologischen Stationen vorbei.

Archäologie und Geschichte

Die Höhle Kesslerloch zählt zu den bedeutendsten spätglazialen Fundstellen Europas. Sie weist Siedlungsspuren aus dem Jungpaläolithikum der Magdalénien-Kultur aus der Zeit von 14.000 bis 12.000 v. Chr. auf, umfasst fast 200 m² und wird durch einen Felspfeiler geteilt. Mehrere Grillstellen und ein WC gehören zur Anlage; vom Bahnhof Thayngen ist das Kesslerloch in etwa zehn Gehminuten erreichbar.

Die datierten Bauhölzer ordnen die Siedlungsreste von Thayngen-Weier der Zeit zwischen 3800 und 3600 v. sowie der Pfyner-Kultur zu. Die jungsteinzeitliche Moorsiedlung Thayngen-Weier gehört seit 2011 zum Weltkulturerbe Pfahlbauten.

Der Name Reiat war ursprünglich ein Flurname für ein Gebiet bei Büttenhardt, wurde erstmals 1411 erwähnt und entwickelte sich später zur Bezeichnung der Hochebene und des Bezirks. In Hofen wurde die Ziegelei Hofen 1834 gegründet. Die Herstellung von Backsteinen, Tonrohren und Dachziegeln wurde dort 1917 eingestellt, nachdem die Rohstoffvorräte erschöpft waren.

Dörfer, Baukultur und Museen

Die Kirche St. Martin in Lohn ist eine mittelalterliche Dorfkirche mit einem charakteristischen Käsbissen-Turm und einem farbigen Chorfenster. Sie gehört zu den fünf Kirchen auf der Schaffhauser Landschaft, die noch über einen bedeutenden vorreformatorischen Baubestand verfügen. Das Gebäude Sternen wurde erstmals 1648 als Gasthof erwähnt.

Das Schreibmaschinenmuseum Bibern zeigt rund 470 Maschinen, von denen Besucherinnen und Besucher den größten Teil auch ausprobieren können. In Bibern steht außerdem das Zwetschgenfest im Zeichen der lokalen Zwetschgensorte „die Schöne von Bibern“.

Der Biberweg in Thayngen ist ein interaktiver Weg für Familien, Schülerinnen und Schüler aller Stufen sowie Naturfreunde. Seine Informationstafeln vermitteln in verständlicher Form Einblicke in die Lebenswelt des Bibers.

Ein Angebot zum historischen Lehmabbau im Reiat führt zu einer Lehmgrube und einer Ziegelei in Lohn. Im Reiat gedeihen trotz seiner geografisch nördlichen Lage Reben; dort befindet sich der nördlichste Weinberg der Schweiz. Die kulinarische Schatzsuche umfasst Verkostungen regionaler Spezialitäten direkt bei lokalen Produzentinnen und Produzenten ab Hof und führt anhand rätselhafter Hinweise durch die hügelige Landschaft des Unteren Reiat.

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