Hinterland: Zwischen Brauchtum, Themenwegen und Alpsteinblicken
Das Appenzeller Hinterland gilt als Hochburg gelebter Traditionen; verschiedene Bräuche werden dort mit Stolz gepflegt und gefeiert. Dazu kommen Wege durch die hügelige Landschaft, Ausblicke vom Alpstein bis zum Bodensee und ein vielseitiges kulturelles Erbe.
Geografische Einordnung
Der Bezirk Hinterland war eine Verwaltungseinheit des Schweizer Kantons Appenzell Ausserrhoden. Nach der formellen Abschaffung der Bezirke im Jahr 1995 lebt diese regionale Gliederung als Landschaftsname weiter. Das Hinterland umfasst sieben Gemeinden. Dazu gehören Schönengrund, Waldstatt, Herisau, Urnäsch, Stein, Hundwil und Schwellbrunn. Hundwil wird durch die Postautolinie Herisau–Stein–St. Gallen erschlossen. Der Höhenbereich reicht von 588 bis 2502 Metern über Meer.
Kultur und Brauchtum
Das Museum Herisau vermittelt die Kulturgeschichte von Appenzell Ausserrhoden anhand der Themen Ritter und Burgen, Mobilität und Verkehr, Mühlen im Appenzellerland, Medizin und Kurwesen, Schulgeschichte, Leben und Werk von Robert Walser (1878–1956) sowie Ausserrhoder Wohn- und Musikkultur. Im Robert Walser-Zimmer informiert das Museum über das Leben und Werk des Schriftstellers. Ein eigener Museumsrundgang richtet sich an Kinder.
Der Robert Walser-Pfad in Herisau führt ganzjährig zu mehreren Lebensstationen des Schriftstellers, darunter der Walser-Brunnen, das Klinikareal am Krombach, der Todesort am Rosenberg und die Grabstätte. Der Grossteil der Gebäude am Kulturpfad Herisau stammt aus der Zeit von 1735 bis 1914.
Im Appenzeller Brauchtumsmuseum in Urnäsch können Besucher täglich Bräuche und Traditionen entdecken. Das Museum befindet sich in einem über 400 Jahre alten Appenzellerhaus mit schrägen Holzböden. Silvesterchläuse, Alpfahrt, Streichmusik, Sennenleben, Bloch, Trachten und Bauernmalereien stehen dort im Mittelpunkt. Fachkundige Führungen und ein Naturjodelkurs gehören ebenfalls zum Angebot; ausserdem können Besucher Chlausen mit Rollenträgern, Talerschwingen und Schellen schötten ausprobieren.
Beim Brauch Bloch wird ein grosser Baumstamm auf einem geschmückten Wagen von Buben aus dem Dorf durch die Gegend gezogen. In Hundwil wird das Silvesterchlausen am 31. Dezember und am alten Silvester am 13. Januar als gelebter Brauch gepflegt. Das alte Rathaus wurde zwischen 1627 und 1630 erbaut und bietet in idyllischer Lage ein besonderes Ambiente für Hochzeiten.
In Stein lädt die Appenzeller Schaukäserei dazu ein, einen Teil des Geheimnisses um den Appenzeller Käse kennenzulernen. Ihre Erlebnisausstellung bietet zudem einen imposanten Einblick in die Käseherstellung im Massstab 1:1.
Wege und Landschaft
Von der Spitze der pyramidenförmigen Hundwiler Höhi reicht der Blick vom Alpstein bis zum Bodensee. Auf dem Familien-Rätselweg in Schwellbrunn sind im Tobelwald möglicherweise Wildtiere zu beobachten. Der Holzweg Waldstatt ist 6,5 Kilometer lang und beginnt am Bahnhof Waldstatt. An 16 Posten lädt er in der hügeligen Landschaft des Appenzeller Hinterlandes zum Erkunden, Lernen und Spielen ein. Dabei vermittelt der Themenweg unter anderem Wissenswertes über die Naturheilerin Emma Kunz, den Holzpionier Hermann Blumer und die traditionsreichen Holzbaubetriebe im Dorf.
Der Märliweg in Urnäsch führt durch den Schönauwald und ist mit hölzernen Tier- und Märchenfiguren gestaltet. Zahlreiche Stationen laden zum Spielen und Entdecken ein. Der Weg ist in zwei Abschnitte unterteilt, die einzeln oder zusammen begangen werden können. Die Aussicht von der Spitzli-Route bei Urnäsch reicht über den Bodensee, das Säntismassiv, die Glarner Alpen und bis zur Rigi.
Radrouten
Die Säntispanorama-Route führt von Herisau über Schwellbrunn, Bächli, Urnäsch, Hundwil und Stein sowie über Gübsensee zurück nach Herisau. Sie ist als mittelschwere Radtour über 47 Kilometer mit jeweils 1089 Höhenmetern Aufstieg und Abstieg ausgewiesen. Die Potersalp-Route ist 45,5 Kilometer lang; als Fahrzeit sind 5 Stunden und 55 Minuten angegeben. Nach ihrem Verlauf über Rossfall endet sie wieder in Urnäsch. Die unterschiedlichen Streckenlängen, Höhenmeter und die ausgewiesene Fahrzeit geben Ihnen nüchterne Vergleichspunkte für die eigene Planung.
Winter
Der Skilift Osteregg ist 700 Meter lang und führt von 850 auf 1080 Meter über Meer. Sein Hang ist zum Skifahren und Snowboarden geeignet. Die Skilift Urnäsch AG betreibt einen Skilift und einen Ponylift.
Der Urnäsch-Winterwanderweg startet bei der Sportanlage Feld und führt über Grünau, Ruppen und Steinenmoos zurück zur Sportanlage Feld. Der Loipenverein Urnäsch präpariert ehrenamtlich ein etwa 9 Kilometer langes Loipennetz für Skating und klassisches Langlaufen.
Die Rondom-Ausblick-Tour führt durch die Wildruhezone «südliches Appenzeller Hinterland»; die dort geltenden Regeln sind einzuhalten. Die ausgeschilderte Schneeschuhroute Rondom Ausblick führt auf die Hochalp.
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