Heiden hoch über dem Bodensee: Dorfgeschichte, Museen und Wege
Heiden liegt auf einer Terrasse in aussichtsreicher Lage hoch über dem Bodensee. Der biedermeierlich-klassizistische Dorfkern wurde nach einem Grossbrand, der 1838 den grössten Teil des Ortes zerstörte, 1839/40 neu errichtet. Der Kirchplatz bildet als geschlossene Einheit den Kreuzungspunkt langer, gerader Strassenzüge.
Kultur und Ortsgeschichte
Das Museum Heiden zeigt die Ortsgeschichte von Heiden, ein Naturalienkabinett sowie Beiträge zur Kolonial- und Museumsgeschichte. Es dient zugleich als Treffpunkt für eine architekturbezogene Führung durch den Ort und bietet Führungen für Schulklassen, Gruppen und interessierte Besucher an. Die Dorfführung behandelt die Entstehung des Biedermeierdorfs, den Dorfbrand, die Kurortgeschichte und Persönlichkeiten mit Bezug zur Region; sie endet mit einer kleinen Kostprobe.
Das Museum Henry Dunant befindet sich in dem Gebäude, in dem Henry Dunant als zurückgezogener Pensionär bis zu seinem Tod am 30. Oktober 1910 lebte. Vor dem Museum schwebt die Peace Bell von Nagasaki als Installation der St. Galler Künstlerin Lucie Schenker. Deutsche Ausstellungstexte, deutsche, französische und englische Hörversionen sowie ein leicht bedienbarer Audioguide zum Ausleihen gehören zum dortigen Vermittlungsangebot. Gruppenführungen und Workshops richten sich an Vereine, Unternehmen und Familien; die Führungen sind auf Deutsch, Französisch und Englisch verfügbar. Das Museum Henry Dunant befindet sich im Erdgeschoss und ist ohne Treppen zugänglich.
Architektur und besondere Orte
Die evangelische Kirche von Heiden wurde nach einem Brand am 14. August 1936 bis zum 23. Januar 1938 wiederaufgebaut; ihr klassizistisches äusseres Erscheinungsbild blieb weitgehend erhalten. Der öffentlich zugängliche Kirchturm bietet einen Rundblick über die Bodenseeregion und einen Teil des Appenzeller Vorderlandes. Die grosse Chügelibahn im Kirchturm, die gemeinsam mit Schulklassen aus Heiden gebaut wurde, kann während der üblichen Turmöffnungszeiten in der Sommersaison bespielt werden.
Das Schwimmbad Heiden wurde im Juli 1932 eröffnet; seine zweckorientierten Formen repräsentieren die Architektur des Neuen Bauens. Es steht unter Denkmalschutz und ist im Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung als Kategorie A, Typ E, aufgeführt. Das Bad verfügt über ein homologiertes 50-Meter-Sportbecken, ein Sprungbecken mit Sprunganlagen auf 1, 3 und 5 Metern, ein 18 × 15 Meter grosses Nichtschwimmerbecken sowie ein Kinderplanschbecken mit Rutschbahn und Spielbach. Das Wasser des 50-Meter-Beckens wird solar erwärmt. Das Freibad südlich von Heiden repräsentiert mit seinem streng geometrischen Aufbau ebenfalls die Architektur des Neuen Bauens.
Wege und Aussicht
Der Witzweg ist eine leichte, als Einwegroute ausgeschilderte Strecke von Heiden nach Walzenhausen. Er ist 8 km lang, weist 260 Höhenmeter im Aufstieg auf und dauert etwa 2 Stunden und 10 Minuten. Am Witzweg laden rund 40 Witztafeln zum Schmunzeln und Verweilen ein. Die Strecke bietet Panoramablicke über den Bodensee in Richtung Süddeutschland, Rheindelta und Bregenzer Bucht.
Die letzte Etappe der Kulturspur Appenzellerland beginnt in Heiden. Die Route von Heiden nach Walzenhausen ist 11 km lang, dauert etwa 2 Stunden und 55 Minuten und weist 340 Höhenmeter im Aufstieg auf. Der Gesundheitsweg beginnt im Biedermeierdorf Heiden auf dem Dorfplatz und ist ein 21,1 km langer Themenweg. Der Chindlistei ist ein 940 Meter hoch gelegener Sandstein mit älteren und neueren Zeichen.
Anreise und regionale Wege
Das Appenzeller Heilbad liegt an der Strecke Heiden–Kaien und ist zu Fuss, mit dem Postauto oder mit dem Privatwagen erreichbar. Heiden verfügt über einen Bahnhof, an dem die Appenzeller Bahn ankommt. Das Museum Henry Dunant ist von Rorschach aus mit der Zahnradbahn S25 und einem Umstieg in Heiden erreichbar.
Weitere Orte im Appenzeller Vorderland sind Reute, Grub, Wolfhalden, Walzenhausen, Rehetobel und Wald.
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