Blenio entdecken: Natur, Wege und Kultur

Mountain lake above Lago Luzzone near Campo Blenio Mountain lake above Lago Luzzone near Campo Blenio Foto: Matthias Böhni via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Das Valle di Blenio ist ein weitläufiger Naturraum von naturkundlichem Interesse mit einem reichen historischen und kulturellen Erbe. Subalpine Gipfel, sanfte Hügel und ausgedehnte Kastanienwälder bestimmen das Landschaftsbild. Entlang des Brenno und rund um Bergseen wie den Lago di Luzzone verlaufen Wanderrouten. Die unterschiedlichen Längen, Höhenmeter und Gehzeiten machen die Wege untereinander gut vergleichbar. Blenio ist mit dem Auto vom Autobahnanschluss Gotthard an der A2 bei Biasca in etwa 30 Minuten erreichbar.

Zur weiteren Ortsorientierung im Blenio-Kontext gehören die Seiten Acquarossa, Malvaglia, Olivone, Semione, Ghirone, Acquacalda, Marolta, Dongio, Prugiasco, Lottigna, Ludiano und Blenio.

Wege und Winter

Die Talbodenwege im Bleniotal sind leicht und fast das ganze Jahr über begehbar. Ein 9 km langer Rundweg durch die Blumenwiesen von Dötra weist den Schwierigkeitsgrad T2 sowie jeweils 281 Höhenmeter Auf- und Abstieg auf. Die Wanderung zum Lago Retico beginnt am Parkplatz bei der Alpe Predasca, führt über die Capanna Bovarina weiter zum See, weist 634 Höhenmeter auf und dauert etwa drei Stunden. Der Lago Retico selbst ist ein Bergsee im Val di Campo auf 2.373 m Höhe in der Gemeinde Blenio.

Der historische Weg Nr. 4 durch das mittlere und obere Bleniotal führt von Acquarossa nach Olivone am linken Ufer des Brenno entlang. Er verläuft überwiegend auf dem unteren Weg, ist 11 km lang und erschließt kleine Dörfer, Weiler sowie bedeutende historische Strukturen der Region. Der historische Rundweg von Negrentino ist 4,5 km lang und dauert insgesamt etwa 1 Stunde und 55 Minuten; dabei führt er an zahlreichen alten Kirchen und Kapellen mit Skulpturen und künstlerischen Fresken vorbei. Die Valle-di-Blenio-Bike-Route SchweizMobil 387 verbindet Olivone und Biasca über 25,5 km.

Auch die Via Francisca del Lucomagno gehört zu den markierten Wegen: Sie ist als thematischer Pilgerweg mit weißen Pfeilen und einem Pilgeraufkleber ausgeschildert und führt bei der Alpe Pertusio an den Quellen des Brenno vorbei. Im Winter sind in Campo Blenio Skifahren, Schlittenfahren und Schneeschuhwandern möglich. Die schwarze Langlaufloipe in Campra ist 5 km lang und weist 182 Höhenmeter auf; zusätzlich verfügt Campra über eine 1,3 km lange, beleuchtete Nachtloipe für den Langlauf.

Die offene Eisbahn von Campo Blenio liegt auf etwa 1.200 m Höhe, ist bei geeigneter Witterung von Dezember bis Ostern nutzbar und hat eine Fläche von 180 m². Der Weg Campo Blenio–Saracino ist ein leichter Rundweg für einen winterlichen Spaziergang. Er führt zur Pineta Saracin und nach Ghirone in einer naturnahen Umgebung am Eingang zum Weg auf das Greina-Hochplateau.

Landschaft am Lukmanier und auf der Greina

Das Gebiet des Lukmaniers umfasst Wälder, Quellen und Hochplateaus und bietet Naturerlebnisse. Das Greina-Hochplateau ist nur zu Fuß erreichbar, erstreckt sich über fast 6 km Länge und 1 km Breite und liegt auf über 2.200 m Höhe. Ein 600 m langer Abstecher auf der Greina-Route führt zum begehbaren, 40 m hohen Arco della Greina. Das Piano della Greina gehört wegen seiner außergewöhnlichen geologischen und naturkundlichen Qualitäten zu den Landschaften von nationaler Bedeutung.

Zur Tierwelt der näheren Landschaft zählt die Pineta Saracin als Lebensraum für Eichhörnchen und weitere Wildtiere. Entlang des Brenno werden häufig Spuren von Rehen, Hirschen und Hasen beobachtet.

Kultur und Geschichte

Die alte Kirche Santo Stefano in Dangio stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde 1732 nach einem Brand wiederaufgebaut. Sie besitzt einen romanischen Glockenturm mit fünf durch einen gezackten Fries klar voneinander getrennten Ebenen. Die Kirche der Heiligen Mauritius und Agatha in Campo Blenio wird erstmals 1225 erwähnt und besitzt einen spätromanischen Glockenturm. In ihrem Inneren befinden sich zahlreiche Fresken, die den Tarilli zugeschrieben werden.

Im Pretorio-Gebäude, auch Landfogti House genannt, ist das Ethnografisch-historische Museum des Bleniotals untergebracht. Das Gebäude wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf einem Vorgängerbau errichtet, der durch die Jahreszahl 1461 belegt ist. Das Museum arbeitet eng mit dem Kanton und insbesondere mit dem Centro di dialettologia e di etnografia zusammen, um das kulturelle Erbe des Tals zu bewahren und weiterzuentwickeln. Das Landfogti House besitzt Fassadenfresken mit den Wappen der Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden sowie der Landgemeinde des Bleniotals von 1578, außerdem eine Sonnenuhr, Wappen der Landvögte aus dem 16. und 17. Jahrhundert und ein Relief mit dem Symbol der Gerechtigkeit.

Das Museo Cà da Rivöi widmet sich den Traditionen und der Kultur des oberen Bleniotals und befindet sich in einem typischen Alpenhaus aus dem Jahr 1658. Dort sind Werkzeuge, Geräte und Gegenstände sakraler Kunst zu sehen, die Zeugnis einer vergangenen oder im Verschwinden begriffenen Zeit ablegen. Die heutige Burg Serravalle wurde um 1220–1230 von den Mailändern errichtet und 1402 systematisch zerstört. Die erste dokumentierte Besiedlung ihres Geländes reicht bis ans Ende des 9. Jahrhunderts zurück. Im äußeren Burghof liegt die Kirche Santa Maria del Castello, die seit dem frühen 14. Jahrhundert stammt.

Das Oratorio S. Ambrogio wird 1567 im Zusammenhang mit dem Besuch des heiligen Karl Borromäus erwähnt und 1742 im Barockstil erweitert. Die historische Schokoladenfabrik Cima in Dangio geht auf die 1903 gegründete erste Fabrique de Chocolat Cima zurück. Die Cima-Brüder gründeten in Torre-Dangio die erste Schokoladenfabrik des Bleniotals. Die Schokoladenfabrik Cima Norma stellte 1968 ihren Betrieb ein; ihr historisches Erbe ist erhalten geblieben.

Lokale Traditionen

Bei einer begleiteten Erfahrung im Valle di Blenio wird typische Tessiner Brottorte verkostet. Bei derselben begleiteten Erfahrung gibt es einen Aperitif mit Frischkäse und anschließend Gelato.

Zur übergeordneten Reiseübersicht: Tessin.

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