Embrach entdecken: Geschichte, Wege und Auenlandschaft
Embrach ist eine politische Gemeinde im unteren Tösstal, im Bezirk Bülach des Kantons Zürich. Die ersten geschichtlichen Spuren reichen bis in die Bronzezeit zurück; die früheste bekannte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1044.
Geschichte und Baukultur
Das ehemalige Kollegialstift St. Peter, vermutlich ein Chorherrenstift des Augustinerordens, erfüllte die Verwaltungsfunktionen des habsburgischen Amts Embrach. Im Zuge der Reformation wurde es 1524 aufgehoben. Die ehemalige gotische Stiftskirche stürzte 1778 ein. Die heutige frühklassizistische Querovalkirche von Embrach wurde 1780 eingeweiht; mit ihrem Neubau wurde der Zürcher Baumeister David Vogel beauftragt.
Auch das einheimische Hafner- und Töpfergewerbe gehört zur Ortsgeschichte: Es entwickelte sich zu einer bedeutenden Industrie. Embrach hat zudem eine dokumentierte Industriegeschichte mit Seidenzwirnerei sowie zahlreichen Webereien und Spinnereien. Spirella gilt dabei als bis heute bestehender Nachfolger dieser Tradition.
Haumüli und Rundweg
Die Haumüli besteht seit über 800 Jahren. Führungen umfassen die Ausstellung, die zugänglichen Räume im Wohnhaus, die Säge, die Mühle und das Ökonomiegebäude. An Tagen der offenen Türen sind Säge und Mühle in Betrieb. Vom Bahnhof Embrach-Rorbas ist die Haumüli über einen Wanderweg in etwa fünf Minuten zu Fuß erreichbar.
Der Rundweg Blauen ist 17,5 Kilometer lang, beginnt bei der historischen Stiftsstätte Embrach an der reformierten Kirche und verläuft größtenteils innerhalb des Wanderwegnetzes. In jeder Ortschaft am Rundweg gibt es eine Geschichts- und Wegtafel mit Informationen zu den damaligen Ereignissen und zum weiteren Wegverlauf. Für Lufingen und Embrach gibt es zusätzliche weiterführende Erläuterungen. Die unterschiedlichen Weglängen und historischen Anknüpfungen lassen sich bei der persönlichen Tagesplanung getrennt betrachten.
Die Haumüli und der Rundweg Blauen bieten damit zwei unterschiedliche Zugänge zur Ortsgeschichte: Bei der Mühle sind Ausstellung, Gebäude und laufende Technik an einem Ort gebündelt. Der Rundweg verteilt seine historischen Hinweise dagegen über mehrere Ortschaften und verbindet die Wegstrecke mit Tafeln und zusätzlichen Erläuterungen. Die Entscheidung zwischen beiden Formen richtet sich somit vor allem danach, ob ein einzelner Besuch oder eine längere Strecke im Mittelpunkt stehen soll.
Natur an Au und Töss
Die ehemalige Jagdschiessanlage Au in Embrach liegt in einem nationalen Auenschutzgebiet. Der größte Teil der ehemaligen Anlage steht unter Schutz, ist der Natur vorbehalten und kann nicht frei betreten werden. Im Au-Gebiet finden besonders gefährdete Arten wie Orchideen, Libellen und Amphibien einen Lebensraum.
Ein Pfad führt nahe an die Töss und ermöglicht Einblicke in die Tössauen. Der Chlostergumpen ist ein Naturschutzgebiet von überkommunaler Bedeutung und dient als Wasserspeicher der ehemaligen Seidenzwirnerei Zinggeler.
Verkehr und Ortsgeschichte
Die Eisenbahnstrecke Winterthur–Embrach–Bülach–Koblenz wurde 1876 eröffnet. Zu ihrer Infrastruktur gehörten ein Tunnel durch den Dättenberg und eine Eisenbahnbrücke beim Wildbach nahe der Haumüli.
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