Erschmatt – Roggenkultur und Dorfgeschichte

File:Erschmatt VS 03.JPG File:Erschmatt VS 03.JPG Foto: Silvio Tanner via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Nordöstlich des Dorfes Erschmatt liegen die Terrassenäcker in der Zälg. Auf 1100 bis 1600 m ü. M. bilden sie eine eindrückliche Kulturlandschaft; Menschen aus Erschmatt und Bratsch bauten hier Roggen zur Selbstversorgung an.

Landschaft

In der Zälg wurden insgesamt elf Terrassen vom Verein Erlebniswelt Roggen Erschmatt gemeinsam mit Pro Natura Wallis wieder umgebrochen und mit Winterroggen bepflanzt. Dadurch entstand Lebensraum für viele selten gewordene Pflanzen und Tiere.

Der Sortengarten Erschmatt bietet alten Walliser Kulturpflanzen, die nur noch selten angebaut werden, eine Heimat. Dort werden auch selten gewordene Ackerbegleitpflanzen gepflegt, die an den Lebensraum sonniger und trockener Getreideäcker angepasst sind. Von Juni bis August wird jeweils am ersten Samstag eine kostenlose Führung durch den Sortengarten angeboten.

Baukultur

Im alten Dorfteil steht die Pfarrkirche St. Michael. Ihre weissen Mauern und ihr Helmturm bilden einen Kontrast zu den dunklen, fast durchweg nach Süden ausgerichteten Holzhäusern. Die Kirche wurde zwischen 1710 und 1713 erbaut; ihr Kirchenpatron ist der Erzengel Michael. Seit drei Jahrhunderten bildet sie das Zentrum des Dorfes Erschmatt.

Der barocke Hauptaltar und die Kanzel der Pfarrkirche St. Michael wurden 1777 eingeweiht, während die beiden Seitenaltäre 1840 und 1882 ihre heutige Form erhielten. Die Kirche besitzt zwei Emporen: Die obere dient der Orgel und dem Chor, die untere den Kirchgängern. Die bestehende Kirchenorgel wurde 1984 von J. H. Füglister aus Grimisuat gebaut.

Der Hohe Spycher, auch «Heju Spiichär» genannt, ist ein markantes Blockwandgebäude aus dem Jahr 1628 im alten Dorfteil von Erschmatt. Seine Stadelstützen und Mäuseplatten ruhen auf etwa drei Meter hohen Natursteinstützen. Nach einem fach- und stilgerechten Umbau stehen die Gebäulichkeiten des Hohen Spychers dem Verein Erlebniswelt Roggen für Bildungs- und Kulturzwecke zur Verfügung.

Das Heliodome ist ein Bau, dessen Form durch den Verlauf der Sonne im Tages- und Jahresverlauf bestimmt wird. Es ist ein privates Wohn- und Ferienhaus; die Besitzer Gabriela und Herbert Lötscher können für Fragen und mögliche Besuche kontaktiert werden.

Handwerk und Geschmack

Das Roggenatelier vermittelt den Weg vom Korn zum Brot. Besucher dreschen und worfeln Getreide, mahlen Körner, sehen einen Film zum Brotbacken, spalten Brot und degustieren Roggenprodukte.

«Brot & Feuer» verbindet die Erkundung der Orte der Walliser Roggenbrot-Herstellung im Dorf mit dem gemeinsamen Kneten und Formen von Sauerteig-Roggenbrot in der alten Backstube und mit Walliser Sagen. Das selbst geformte Brot darf mit nach Hause genommen werden.

Beim Backerlebnis bereiten Besucher eigenes Brot zu, kneten und formen den Teig und backen ihn im Holzbackofen. Zum Programm gehören ausserdem ein Dorfrundgang, Dreschen in der historischen Scheune und Kurzfilme im Hohen Spycher.

Das Burgerhaus besitzt eine alte Backstube und einen Gemeindebackofen mit Platz für rund 150 Roggenbrote. Dort wird seit gut 400 Jahren bis heute nach traditioneller Art gebacken.

Unterwegs

Der «Geführte Dorfrundgang» vermittelt die Geschichte, Traditionen und Gebäude von Erschmatt; Führungen werden auf Anfrage durchgeführt. Pferdetrekking Wallis bietet eine Tagestour an, die in Erschmatt beginnt und endet und über alte Säumerpfade in die Berglandschaft führt. Eine zweitägige Pferdetrekking-Tour beginnt ebenfalls in Erschmatt und umfasst eine Übernachtung in einer alten Alphütte.

Der Hügostein ist ein Findling, der nach dem Rückzug des Rhonegletschers in der letzten Eiszeit vor etwa 14.000 Jahren an seinem Standort in Erschmatt blieb. Er liegt am Wanderweg Erschmatt–Jeizinen; von einer Sitzbank aus bietet sich ein Rundblick auf das Dorf, das Weisshorn und das Rhonetal.

Die Wanderroute Leuker Sonnenberge führt über Engersch nach Erschmatt, durchquert das Dorf und verläuft im Bereich Undri Zälg an einem Sortengarten des Roggenzentrums Erschmatt vorbei. Die Leuker Sonnenberge sind eine leichte Wanderung mit einer Länge von 11,64 km und einer Dauer von 3 Stunden und 20 Minuten. Die Leuker-Sonnenberge-Route beginnt an der Bergstation der Gondelbahn in Jeizinen auf 1520 m und endet am Bahnhof Leuk auf 623 m.

In der näheren Umgebung bilden die Steinkännel im Bruu eine mehr als 200 Meter lange Wasserleite und gelten als Kulturdenkmal. Sie sind nur zu Fuss erreichbar: entweder über einen Hirtenweg von der Oberen Feselalp oder für geübte Berggänger über das Geisstrittji von der Bachalpe aus.

In der näheren Umgebung stammt die Hohe Brücke, auch Teufelsbrücke genannt, aus dem 16. Jahrhundert. Sie überspannt den Feschelbach zwischen Erschmatt und Leuk.

Weitere Orte des gleichen übergeordneten Gebiets sind Agarn, Unterems, Ergisch, Albinen, Gampel, Varen, Salgesch und Inden.

Im Jahr 1713 schlossen Ersch, Bratsch und Engersch mit dem Glockengiesser Ludwig Keiser aus Zug einen Vertrag über das Giessen von Glocken mit aufeinander abgestimmtem musikalischem Ton.

Zur übergeordneten Reiseübersicht: Leuk.

Unterkünfte in Erschmatt vergleichen

Preise, Verfügbarkeit und Ausstattung für Ihren Reisetermin direkt bei Booking.com prüfen.

Unterkünfte und Angebote ansehenAnzeige · Partnerlink zu Booking.com
Anzeige
Anzeige
Anzeige